Pressemitteilung: Der „Runde Tisch gegen häusliche Gewalt im Kreis Euskirchen“ möchte ein soziales Trainingsprogramm für Täter etablieren

Euskirchen, 22.12.2015

In Nordrhein-Westfalen kommen jährlich etwa 27000 Fälle zur Anzeige, die dem Bereich der häuslichen Gewalt zuzuordnen sind, wobei in 90% der Fälle die häusliche Gewalt von Männern an Frauen verübt wird.

Eine Fachtagung des „Runden Tisch gegen häusliche Gewalt im Kreis Euskirchen“, die bereits am 28. Oktober 2015 im Euskirchener Kreishaus stattfand, befasste sich mit der „Täterarbeit“. Täterarbeit ist ein soziales Trainingsprogramm für gewalttätige Männer und hat sich in vielen Regionen in NRW und in Deutschland als wirksames Instrument zur nachhaltigen Beendigung gewalttätigen Verhaltens erwiesen. Täterarbeit findet freiwillig statt oder unter Zwang aufgrund einer gerichtlichen Auflage oder einer Weisung der Staatsanwaltschaft, die das Verfahren dann vorläufig einstellen kann.

Für Täter häuslicher Gewalt aus dem Kreis Euskirchen existiert bislang kein derartiges Angebot.

Die Fachtagung richtete ihren Schwerpunkt auf Möglichkeiten und Grenzen von Täterarbeit in Fällen von häuslicher Gewalt. Es referierten Roland Hertel vom „InterventionsZentrum gegen Häusliche Gewalt“, Landau, Luzia Kleene von der Frauenberatungsstelle Düsseldorf und Irmgard Woltmann vom Sonderdezernat häusliche Gewalt der Staatsanwaltschaft Düsseldorf.

Auf der Fachtagung wurde deutlich, dass die Wirksamkeit von Täterarbeit hinsichtlich der Verhinderung weiterer Gewalt ganz wesentlich davon abhängt, wie gut Täterarbeitseinrichtungen mit der Polizei, den Gerichten, der Staatsanwaltschaft, der Bewährungshilfe, den Frauenunterstützungseinrichtungen und anderen regionalen Hilfseinrichtungen wie zum Beispiel den Jugendämtern zusammenarbeiten. Für den Kreis Euskirchen stellte sich die Frage, wie ein Angebot für Täter aus dem Kreis geschaffen werden kann. Die Fachtagung kam zu dem Ergebnis, dass hierfür bereits bestehende Kursangebote genutzt werden können, wie sie z.B. im Rhein-Erft-Kreis existieren. Die notwendigen Teilnehmerzahlen können jedoch nur zustande kommen, wenn gleichfalls alle im Kontakt mit Tätern stehenden Institutionen eng kooperieren.

Die Mitwirkenden des „Runden Tischs gegen häusliche Gewalt“ wollen im Laufe des Jahres 2016 an die Aufgabe herangehen, alle Kooperationspartner über den Inhalt und die Bedingungen der Täterarbeit zu informieren. In einem weiteren Schritt sollen verbindliche Kooperationsvereinbarungen über Zuweisungs-, Rückmeldungs-, Kontroll- und Evaluationsverfahren geschaffen werden.

 

Artikel im Kölner Stadtanzeiger von Heike Nickel 01.02.2016